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Handbuch Sicheres Löschen & Datenträger
Inhaltsverzeichnis

Sicheres Löschen & Datenträger

Normales Löschen entfernt nur den Verweis auf eine Datei — der Inhalt bleibt auf dem Datenträger und ist mit Spezialwerkzeugen wiederherstellbar (genau das leistet der Rekonstruktor in Kapitel 11). Beim sicheren Löschen überschreibt SynQaiPro die Datei vorher mehrfach, sodass der ursprüngliche Inhalt praktisch nicht mehr rekonstruierbar ist.

13.1 Wo Sie sicheres Löschen einschalten

Es gibt kein eigenes „Sicheres-Löschen“-Fenster — die Funktion ist dort eingebaut, wo gelöscht wird:

  • über den Löschen-Dialog aus dem Kontextmenü der Dateibäume (🗑 Löschen, Kapitel 6);
  • über die Sicheres-Löschen-Leiste, die im Datei-Organisator (Kapitel 9), im Duplikat-Finder (Kapitel 8) und in der Vergleichsliste (im roten Löschen-Modus) erscheint.

13.2 Die drei Verfahren

In beiden Fällen wählen Sie, wie gründlich überschrieben wird:

VerfahrenDurchgängeMuster
⚡ Schnell (1×)1ein Durchgang mit Zufallsdaten
🛡 Mittel (3× DoD)3DoD 5220.22-M (Null · Eins · Zufall)
🔒 Stark (7× DoD)7DoD 5220.22-M (ECE)

Jede Datei wird an Ort und Stelle überschrieben (am Schreib-Cache vorbei, mit Sicherung auf das Medium nach jedem Durchgang), danach auf Länge 0 gekürzt, in einen Zufallsnamen umbenannt und schließlich gelöscht — so verschwinden auch Größe und Name. Beim sicheren Löschen sehen Sie einen byte-genauen Fortschritt; die geschätzte Zusatzzeit steht rechts in der Leiste („⏱ Zusatzzeit für sicheres Löschen: ~…“).

⚠️ Auf SSDs technisch begrenzt
Auf SSD/NVMe wirkt mehrfaches Überschreiben wegen Wear-Leveling/TRIM nicht zuverlässig. SynQaiPro erkennt das, blendet „Mittel“/„Stark“ aus und reduziert automatisch auf einen Durchgang (⚠ „SSD erkannt — … Die App reduziert automatisch auf 1 Durchgang.“).
Screenshot 57: Sicheres-Löschen-Leiste mit Master-Schalter „Sicheres Löschen“, Verfahren-Auswahl (⚡ Schnell / 🛡 Mittel / 🔒 Stark), SSD-Warnsymbol ⚠ und Zusatzzeit-Schätzung
Abb. 57 — Sicheres-Löschen-Leiste mit Master-Schalter „Sicheres Löschen“, Verfahren-Auswahl (⚡ Schnell / 🛡 Mittel / 🔒 Stark), SSD-Warnsymbol ⚠ und Zusatzzeit-Schätzung

13.3 Der Löschen-Dialog

Löschen Sie einen Eintrag im Dateibaum, erscheint der Dialog Löschen. Sein Einleitungstext nennt, was passiert („… wird gelöscht. Diese Aktion ist unwiderruflich.“). Sie wählen zwischen Einfach löschen und Sicher löschen (überschreiben) samt Verfahren (Schnell — 1 Durchgang · Mittel — 3 Durchgänge · Stark — 7 Durchgänge).

Direkt unter dem Einleitungstext steht hervorgehoben der Datenträger, von dem gelöscht wird — Laufwerksbuchstabe und, sofern vergeben, der Name des Datenträgers: „Laufwerk: B:\ (Backup)“. Liegt der Eintrag auf einer Netzwerkfreigabe, erscheint stattdessen deren Pfad („Netzwerkfreigabe: \\server\freigabe“). Die Zeile gilt auch für eine Mehrfachauswahl; verteilen sich die markierten Einträge ausnahmsweise über mehrere Datenträger, bleibt sie leer, statt einen davon herauszugreifen.

💡 Der Name verrät, welche Platte gemeint ist
Laufwerksbuchstaben sind nicht fest — schließen Sie zwei externe Platten in anderer Reihenfolge an, können sie die Buchstaben tauschen. Wer mehrere gleich aufgebaute Datenträger nutzt (etwa „Extreme SSD_1“ und „Extreme SSD_2“), erkennt am Namen zweifelsfrei, welchen er gerade verändert. Prüfen Sie diese Zeile, bevor Sie unwiderruflich löschen.
ℹ️ Kein versehentliches Löschen per Enter
Der Löschen-Knopf ist bewusst nicht die Standard-Schaltfläche — ein unbedachtes Drücken der Eingabetaste löst also nichts aus. Mit Esc brechen Sie ab.

13.4 Ganze Laufwerke und freien Speicher

Rufen Sie den Löschen-Dialog auf einem Laufwerks-Stammverzeichnis auf, bietet er zusätzliche Optionen hinter einer roten Warnung („Achtung: Dies betrifft ein GANZES LAUFWERK und ist unwiderruflich.“). Welche davon erscheinen, hängt vom Datenträger ab — SynQaiPro zeigt nur, was auf dieser Bauart wirklich etwas bringt:

OptionErscheint beiWirkung
Einfach löschenallenentfernt die Inhalte, ohne sie zu überschreiben
Laufwerk löschen — alle Inhalte sicher entfernenFestplattenüberschreibt und entfernt sämtliche Inhalte des Laufwerks
Leere Bereiche sicher überschreibenFestplattenlässt vorhandene Dateien unangetastet und überschreibt nur den freien Speicher — so werden Reste bereits gelöschter Dateien unlesbar
🔑 SSD sicher löschen — das optimale VerfahrenSSDslöscht alle Daten und überschreibt den freien Speicher einmal — vorgewählt

Auf einer SSD stehen die beiden Überschreib-Optionen also gar nicht erst zur Wahl. Das ist Absicht: Dort gibt es genau ein richtiges Verfahren, und eine Auswahl zwischen zwei „sicheren“ Wegen wäre eine Entscheidung, die niemandem nützt.

Wie lange das Überschreiben freier Bereiche dauert

Der Vorgang schreibt den gesamten freien Bereich einmal voll — und das je Durchgang erneut. Die Dauer hängt deshalb an drei Größen: wie viel frei ist, wie viele Durchgänge das gewählte Verfahren vorsieht (1×/3×/7×, siehe 13.2) und wie schnell der Datenträger schreibt. Als Faustformel: freier Speicher × Durchgänge ÷ Schreibtempo.

500 GB frei auf …⚡ Schnell (1×)🛡 Mittel (3×)🔒 Stark (7×)
externer Platte am USB-Anschluss (~33 MB/s)gut 4 Stundenrund 13 Stundenüber 30 Stunden
interner Platte (~120 MB/s)gut 1 Stunderund 3,5 Stundenrund 8 Stunden
⚠️ Erst rechnen, dann starten
Ein voller Durchgang über eine große, weitgehend leere Platte läuft schnell über Nacht. Nehmen Sie 🔒 Stark (7×) deshalb nur, wenn es wirklich darauf ankommt — der Zugewinn gegenüber einem einzelnen Durchgang ist auf heutigen Datenträgern gering, der Zeitaufwand aber das Siebenfache. Und bedenken Sie: Es geht hier um Reste bereits gelöschter Dateien. Wollen Sie einzelne vertrauliche Dateien loswerden, ist das sichere Löschen dieser Dateien (13.2) der viel kürzere Weg.

Während des Laufs zeigt das Banner über der Fortschrittsleiste „🧹 Überschreibe freien Speicher…“ und daneben den aktuellen „Durchgang 1/3“; der Balken rechnet alle Durchgänge zusammen. Abbrechen ist jederzeit möglich — was bis dahin überschrieben wurde, bleibt überschrieben, der Rest bleibt, wie er war. Zum Schluss vermerkt das Protokoll „🧹 Freien Speicher überschrieben: E:\ (3 Durchgänge)“.

Auf einer SSD: das Crypto-Verfahren

Auf einer SSD führt mehrfaches Überschreiben nicht zum Ziel. Der Controller verteilt jeden Schreibvorgang über freie Zellen — die alten Daten stehen danach womöglich immer noch da, nur woanders. Sieben Durchgänge sind deshalb nicht sicherer als einer, sie kosten nur das Siebenfache an Zeit und Schreibzyklen. Für erkannte SSDs bietet der Dialog darum 🔑 SSD sicher löschen — das optimale Verfahren als einzigen sicheren Weg an und wählt ihn gleich vor. Drei Schritte laufen ab:

  1. Liegt auf dem Laufwerk ein SynQaiCrypt-Tresor, wird zuerst dessen Schlüssel vernichtet. Seine Inhalte sind damit sofort unlesbar — ohne einen einzigen Schreibvorgang.
  2. Alle Daten werden gelöscht. Das ist auf Flash-Speicher kein Nebenschritt, sondern der wirksamste: Das Dateisystem meldet die Blöcke per TRIM als frei, und der Datenträger löscht sie intern tatsächlich.
  3. Der freie Bereich wird einmal mit kryptografischem Zufall überschrieben. Damit ist jede adressierbare Stelle des Datenträgers überschrieben.

Das Verfahren braucht kein BitLocker, keine Administratorrechte und kein Herstellertool und steht auf jeder erkannten SSD zur Verfügung — ein Tresor ist keine Voraussetzung, er beschleunigt die Sache nur.

Wie lange es dauert

Den Ausschlag gibt der dritte Schritt: Der freie Bereich wird einmal vollgeschrieben. Bei einer 500 GB großen SSD ist das etwa eine halbe Stunde an einem USB-Anschluss und rund zehn Minuten intern. Die ersten beiden Schritte fallen daneben kaum ins Gewicht — das Löschen richtet sich nach der Anzahl der Dateien (Sekunden bis wenige Minuten), und ein vorhandener Tresor-Schlüssel ist in etwa einer Sekunde vernichtet.

500 GB SSD🔑 Crypto-Verfahren (1×)Überschreiben 7×
am USB-Anschluss (~33 MB/s)gut 4 Stundenüber 30 Stunden
intern (~500 MB/s)rund 20 Minutengut 2 Stunden

Liegt auf dem Laufwerk ein Tresor, verschiebt sich das Bild grundlegend: Dann sind die Daten schon nach etwa einer Sekunde unlesbar — sobald der Schlüssel fort ist. Alles Weitere ist nur noch Aufräumen und lässt sich jederzeit abbrechen, ohne die Sicherheit zu schmälern.

⚠️ Was auch dieses Verfahren nicht erreicht
Jede SSD hält Reserveblöcke vor, die nach außen nicht ansprechbar sind. Dorthin kommt keine Software — auch dieses Verfahren nicht. Für Datenträger, die das Haus verlassen und wirklich nichts preisgeben dürfen, führt der Weg über den Secure Erase des Herstellers oder über die physische Zerstörung der Speicherbausteine.
💡 Mit einem Tresor geht es in Sekunden
Wer eine SSD von vornherein als SynQaiCrypt-Tresor führt, hat das sichere Löschen geschenkt: Alle Daten stehen dann ausschließlich verschlüsselt darauf, und mit dem Schlüssel fällt alles auf einmal — in Sekunden statt Stunden. SynQaiPro nimmt dabei die mitreisende Sicherung neben dem Tresor und die versionierten Stände in Ihrem Benutzerprofil automatisch mit und meldet, wenn eine Kopie nicht entfernt werden konnte. Von Kopien, die Sie selbst exportiert haben — etwa auf einen USB-Stick — weiß das Programm nichts.

Die Datenträgerzeile aus Abschnitt 13.3 steht auch hier — mit Buchstabe und Namen. Bei einem Vorgang dieser Tragweite ist sie die wichtigste Kontrolle vor dem Klick.

Screenshot 58: Löschen-Dialog auf einem Laufwerks-Stamm: rote Warnbox und die Optionen „Laufwerk löschen“ sowie „Leere Bereiche sicher überschreiben“
Abb. 58 — Löschen-Dialog auf einem Laufwerks-Stamm: rote Warnbox und die Optionen „Laufwerk löschen“ sowie „Leere Bereiche sicher überschreiben“

13.5 Datenträger im Blick

Rund um die Datenträger arbeiten zwei weitere Helfer:

  • Eine SMART-Frühwarnung: Meldet das Quell-Laufwerk einen bevorstehenden Ausfall, zeigt der Datei-Rekonstruktor einen roten Warnbanner („⚠ Datenträger meldet bevorstehenden Ausfall“) und rät, zuerst ein Sektor-Abbild zu erstellen (Kapitel 11).
  • Das BitLocker-Auto-Entsperren: ein kleines Fenster beim Windows-Start, das gemerkte Laufwerke per Windows Hello entsperrt — eingerichtet im Verschlüsselungs-Modul (Kapitel 14).

13.6 Im Testmodus

🧪 Nur normales Löschen
Ohne Lizenz ist das sichere Löschen (1×/3×/7×) deaktiviert („Sicheres Löschen ist im Testmodus deaktiviert.“). Normales Löschen bleibt möglich; die Optionen „Sicher löschen“, „Laufwerk löschen“ und „Leere Bereiche sicher überschreiben“ sind ausgegraut.
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